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Die fünfte Jahreszeit
Nach der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes leidet fast jeder sechste Student an psychischen Problemen. Das sind offenbar Folgen der hohen Anforderungen. Das Studium möglichst schnell mit möglichst guten Noten abzuschließen, am besten inklusive Auslandssemester und Praxiserfahrung, setzt die angehenden Akademiker unter Druck. Viele sind diesem stetig steigenden Druck immer weniger gewachsen, geraten aus dem Gleichgewicht, greifen zu Alkohol, erkranken an Depressionen. Virtuelle Welten wie z. B. "Second Life" - eine virtuelle, dreidimensionale Welt im Internet, die vollständig von ihren Bewohnern erschaffen und weiterentwickelt wird - beinhalten Möglichkeiten, die die reale Welt des Alltags schon lange nicht mehr bietet, zumindest nicht so unproblematisch zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit verfügbar. Die virtuelle Wirklichkeit wird auf diese Weise schnell zur "eigentlichen" Welt, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen: "Eine Maske verrät uns mehr als ein Gesicht", wusste bereits Oscar Wilde. Mutig, wer nicht nur aus der Wirklichkeit flieht und seine Ängste (und damit letztlich auch sich selbst) im Alkohol ertränkt, sondern sich spielerisch erforscht, seine Möglichkeiten auslotet und zu sich steht - sei es nun in der virtuellen oder in der realen Welt. Und freuen darf sich, wer diese Wege nicht alleine zu gehen braucht: "Du erforschest mich und kennest mich", betete ein Mensch bereits vor 3000 Jahren (Psalm 139,1). - In diesem Sinn wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Newsletters eine "gesegnete Fasnet"! Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mich hält.
Lothar Hinderer, ehg@ekhg.de Hast du eine Idee zu einem neuen aktuellen Thema? Mail uns!
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