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Menschen weltweit Hallo, ist da jemand? Gedanken zu einem leergefegten Campus und zu einer Welt, die zusammen wächst – oder doch nicht?
Der Reutlinger Campus ist wie leer gefegt. Gab’s da mal Studenten? Professorinnen? Ja, und es gibt sie auch im Sommer: Die eine schickt mir eine Mail aus den USA, wo sie ihren Bruder besucht. Einen Studenten aus Marokko überhole ich morgens auf dem Weg zu meiner zweiten Arbeitsstelle; er radelt zu Bosch, wo er arbeitet. Ein Professor berichtet aus seinem Forschungssemester von seinen Projekten in Übersee. Zwei Sonderpädagogikstudentinnen, die seit kurzem ihren Abschluss in der Tasche haben, kommen kurz zum Kaffee vorbei und erzählen, dass sie vor dem Referendariat noch Argentinien bzw. Thailand bereisen werden. Es gibt sie auch im Sommer, die Menschen von der Hochschule, und einmal mehr erlebe ich: Es sind Menschen aus aller Welt in aller Welt. Einmal mehr erlebe ich: Unsere Welt wächst zusammen. Aber ich erlebe auch die andere, die ungeheuerliche Seite: Aus Georgien ruft mich eine Studentin an. Vor wenigen Monaten habe ich den Kinderwagen mit ihrem kleinen Sohn über den Campus geschoben, während sie Absprachen für ein Urlaubssemester traf. Jetzt (Mitte August) horcht sie nachts auf die Flugzeuge und weiß nicht, ob ihre Stadt bombardiert wird. Bangt um das Leben ihrer beiden Kinder. Im Januar hat sie in Reutlingen auf Prüfungen gelernt. Jetzt erlebt sie Krieg, von heute auf morgen, in einer zivilisierten Welt. Sie wollte im Oktober nach Deutschland zurück kommen, um ihren Master zu machen. Aber so lange sie nicht weiß, ob sie in ein georgisches oder russisches Land zurück kehren wird, will sie nicht ausreisen. Unsere Welt wächst zusammen. Mit Mühe in der Politik. Unbemerkt durch die Menschen, denen die Welt offen steht. Frieden bleibt ein Auftrag. Wer um Frieden beten mag, kann dies mit dem sogenannten Gebet der UNO tun: Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.
Das Gebet stammt aus dem Jahr 1942. Verfasst wurde es von dem amerikanischen Schriftsteller und Pulitzer-Preis-Träger Stephen Vincent Benét (1898-1943). Präsident Franklin D. Roosevelt verwendete es 1942 in einer Ansprache, in der er Bezug auf die wenige Monate zuvor unterzeichnete "Deklaration der Vereinten Nationen" nahm.
Cäcilia Branz, khg@ekhg.de Hast du eine Idee zu einem neuen aktuellen Thema? Mail uns!
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