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Wahlzwang Wählen kann ganz schön lästig sein, nicht nur morgens vor dem Kleiderschrank, sondern auch wenn man sich durch einen dicken Umschlag mit Wahlunterlagen arbeiten muss, wenn Parteien und Regierungen schon Monate vor einer Wahl Wahlgeschenke machen, die man wirklich nicht haben möchte. "Nein zum Wahlzwang" ...
... habe ich auf einem Berliner Plakat gelesen, das übrig geblieben war vom Volksentscheid in Sachen Religionsunterricht. Irgendwer wollte da bedauernswerte Schüler/innen bzw. Eltern davon verschonen, sich zwischen Ethik- und Religionsunterricht entscheiden zu müssen. „Wahlzwang“, ein Wortkonstrukt, das mich stutzen lässt. Kein Zweifel, die zahllosen Entscheidungen, die wir an jedem normalen Tag zu treffen haben, können auch zur Last werden. Wenn jedoch politische und religiöse Wahlfreiheit als lästiger oder gar unzumutbarer Zwang statt als Mit- und Selbstbestimmung dargestellt wird, dann wird dem von unseren Vorfahr/innen hart errungenen, in vielen Ländern schmerzlich ersehnten Wahlrecht sein unschätzbarer Wert abgesprochen. Ob wir alle die Demokratie "sind", wie Bundespräsident Horst Köhler nach seiner Wiederwahl formulierte, sei dahingestellt. Dass wir alle, jeder und jede einzelne, die Demokratie verantworten, ist Tatsache – faszinierende, belastende, mit Stolz erfüllende, wie auch immer. Für mich ist Wählen bei unseren landesinneren oder europäischen Wahlen eine Christenpflicht – ich könnte auch sagen, ein Gottesgeschenk. Und zwar deshalb, weil Wählen die Freiheit und die Fülle wahren hilft, für die Gott den Menschen geschaffen hat: "Ihr seid zur Freiheit berufen!" (Gal 5,13, vgl. Gal 4, 1-7). An jedem Pfingstfest neu wird uns Gottes Geist zugesagt, der auch ein Geist "der Unterscheidung" ist, welcher uns wählen hilft (vgl. 1 Kor 12,10 oder 1 Joh 4, 1-4). Wählen kann lästig sein, aber es ist niemals Zwang, sondern immer Privileg des freien Christenmenschen.
Cäcilia Branz, khg@ekhg.de Hast du eine Idee zu einem neuen aktuellen Thema? Mail uns!
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