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Lasst Euch genügen an dem, was da ist Zuerst beginnt es zu bröckeln – im September
2008. Ein Riss wird sichtbar. Dann folgt
der Zusammenbruch.
Die Lehmann Brüder
sind pleite. Weltweites Entsetzen und
Schockstarre. Zwei Wochen später: HRE.
Stützen werden montiert, ein Schirm aufgespannt
– sonntags. Der Kollaps des deutschen
und europäischen Finanzsystems
musste verhindert werden.
Doch das gesamte Finanz- und Wirtschaftsgebäude
erweist sich als beträchtlich instabil.
Die Baumeister des „Wohlstands der
Nationen“ wollten ein Denkmal errichten,
„damit wir uns nicht … zerstreuen“. Doch die
Zerstreuung ist längst im Gange: Hinter der
Fassade. Tiefe Risse gibt es. Getrennte
Welten, zwischen wenigen ganz oben und
vielen ganz unten. Die Verbindungen untereinander
sind abgebrochen, Übergänge so
gut wie nicht mehr möglich.
Der Zusammenbruch. Eine Folge des inneren
Zerfalls. Hoch hinaus, den Himmel berühren.
Das war das Ziel, ganz real. Die
Türme zeugen davon und leer stehende
Immobilien. Hinterlassenschaften aufgeblasenen
Größenwahnsinns ? Ruinen einer
entfesselten Gier.
„Wohlan, …lasst uns eine Stadt bauen und
einen Turm, dessen Spitze bis in den Himmel
reicht.“
Jetzt werden die Risse sichtbar - zwischen
Menschen. Risse in Herzen und Seelen :
Die zunächst sichere Zusage für eine Stelle
in Kombination mit einem BA Studium;
Übernahme von Azubis - Fehlanzeigen, Entlassungen
ohne Not. Zerrissenheit zwischen
billiger Arbeit und keiner Arbeit. Verarmung,
Verschuldung - mit oder ohne Arbeit.
Und nun ? business as usual ? Den Aufschwung
abwarten, herbeisehnen, erhoffen,
überbrücken und durchhalten, bis sich wieder
Wachstum einstellt, Jobs generiert werden
und alle wieder ihren Sinn des Lebens
in der Arbeit finden können ? Um glücklich
zu sein ?
So kennen wir’s. So haben wir’s erlernt.
Durch Mühe und Arbeit es zu etwas bringen,
- oder über boni, Steuerflucht, gute Seilschaften.
Die Welt bebauen, uns und andere
beglücken, mit Konsumgütern und
Waren, Autos, Maschinen, PCs und handys.
Macht uns Wachstum glücklich?
Aber, Wirtschaft ohne Wachstum ?
Wohlstand ohne Wachstum ? Markt ohne
Wachstum ? Arbeit ohne Wachstum ? Verteilung
ohne Wachstum ? Ein Leben in Fülle
– ohne Wachstum ? Wie soll das gehen ?
„Wenn ihr umkehrtet…würde euch geholfen…
Aber ihr wollt nicht“, meint der Prophet
Jesaja. Oder doch ? „Durch Stillesein und
Hoffen würdet ihr stark sein“.
Will heißen: Zur Besinnung kommen, sich
„genügen lassen an dem, was da ist“? Und
stark sein - im Einbeziehen aller Zerstreuten,
zum gemeinsamen Suchen, Erfassen und
Streiten darum, was dem Leben dient, einem
erfüllten Lieben und Arbeiten - vor Ort,
im Land und auf dem Erdkreis.
Würde das nicht helfen - zunächst einmal ?
Dem Ökosystem ? Sicherlich ! Aber auch
den von Gier getriebenen, Ausgebrannten,
Ausgebeuteten und Überarbeiteten.
Umkehren, sich genügen lassen an dem,
auch was an Arbeit da ist und dies teilen.
Also: Grundlinien ziehen in einem Bauplan
für einen stabileren Gebäudekomplex. Warum
nicht - im September 2009 ? Zum Beispiel
mit dem Logo „Nachhaltige soziale
Marktwirtschaft“. Wirtschafts- und Sozialpfarrer Jens Junginger, jens.junginger@ev-akademie-boll.de Hast du eine Idee zu einem neuen aktuellen Thema? Mail uns!
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