Glauben international

„In unserem Land denkt man, aaah Deutschland, das ist so etwas wie das Paradies. Aber als ich hier war, kamen mir Bedenken, denn die Menschen glauben nicht an Gott.“ Wie Studierende aus dem Ausland den Glauben in Deutschland erleben ...

... darüber tauschten sich neulich Stipendiat/innen* mit dem Bischof unserer Diözese aus.

„Wenn ich in der S-Bahn sitze und in der Bibel lese, dann sagen die Leute: Was liest du denn da? Warum liest du denn die Bibel? Glaubst du etwa an Gott?“, die junge Afrikanerin ist perplex angesichts dieser Reaktionen. Die Schlussfolgerung - die Leute in Deutschland glaubten nicht an Gott - irritiert und bedrückt sie. Der Bischof ermutigt und korrigiert sie sachte: Die Deutschen reden nicht so locker und freimütig über ihren Glauben, das heißt aber nicht, dass sie keinen haben. Zu viel Krieg und Gewalt hat Europa auf Grund religiöser und konfessioneller Auseinandersetzungen erlebt. Die religiöse Zurückhaltung und Toleranz, welche manchmal wie Gleichgültigkeit oder Beliebigkeit aussieht, ist daher auch eine Grundlage des friedlichen Miteinanders der Religionen und Kulturen in Europa. Das ist das Gute daran; die Kehrseite, dass viele Religion ausschließlich als Privatsache betrachten, hält der Bischof für problematisch.

An den deutschen Gottesdiensten leiden die einen – ein Student aus Kamerun: „Ich habe mich so darauf gefreut, den Gottesdienst mitzufeiern und da ein Stück Heimat zu finden. Und dann – sitzen alle still und in sich gekehrt nur da.“ – während andere, die zu mehreren in eine völlig überalterte Gemeinde kamen, diese kurzerhand ‚wiederbelebten’ mit afrikanischer Musik und Lebendigkeit. Dass andere, aus Kolumbien wie aus Georgien, sich durchaus in deutschen Gemeinden wohl fühlen, liegt wohl daran, dass sie dort mit Menschen in Kontakt kamen, die auf sie zugingen, und dass sie die deutsche Sprache gut beherrschen. Die Arbeit ihrer Hochschulgemeinden schätzen alle anwesenden Stipendiat/innen. „Was ich mir zusätzlich von der Hochschulgemeinde wünsche? Nichts. Ich wünsche den Studierenden, dass noch mehr von ihnen die Angebote der Hochschulgemeinde wahrnehmen!“, meint eine vietnamesische Stipendiatin verschmitzt.

Für mich war es wunderbar, diesen Austausch mitzuerleben. Ich habe gelernt: Die Zeit, die es braucht, bis man über den persönlichen Glauben zu reden beginnt - und die auch "religiös extrovertierte" ausländische Studierende brauchen - ist gut investierte, ist kostbare Zeit. Denn das Verstehen der Religiosität des anderen ist, wie Bischof Fürst es ausdrückte, ein fundamentaler Beitrag zum Frieden.

* ausländische Studierende, die mit einem Stipendium des KAAD (Katholischer Aademischer Ausländerdienst) in Deutschland studieren

Cäcilia Branz, khg@ekhg.de

 

 
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