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Krieg im Libanon - bald Krieg im Iran?
„Wenn ich dich, Jerusalem, sehe, raubt es mir die Ruhe, ich kann nicht schweigen. Ich muss so lange zu Gott rufen, bis er dir hilft, bis neues Glück für dich aufstrahlt wie die Morgensonne oder wie Fackelschein in der Nacht.“ (Jesaja 62,6). Wir haben sie noch vor Augen, die Bilder des Krieges und der Zerstörung der letzten Wochen: Bomben auf Beirut, Raketen auf Haifa, die Zerstörung der Infrastruktur ganzer Landstriche und die Tötung unzählige Opfer von Menschenleben, vor allem unter der Zivilbevölkerung, eine Ölpest vor der Küste, der Libanon zurückgebombt in die Steinzeit, wie vielerorts zu hören war. Und jetzt ein erster Waffenstillstand. Wird er halten? Die ersten Flüchtlinge kehren zurück in ihre Heimat, aus der sie geflohen waren, um wenig mehr als nur ihr nacktes Leben zu retten. „Wenn ich dich, Jerusalem, sehe, raubt es mir die Ruhe, ich kann nicht schweigen. Ich muss so lange zu Gott rufen, bis er dir hilft, bis neues Glück für dich aufstrahlt wie die Morgensonne oder wie Fackelschein in der Nacht. Alle Völker werden erfahren, wie der Herr für dich alles zum Guten wendet; alle Könige werden deine Pracht sehen. Der Herr wird dir einen neuen Namen geben, mit dem sie dich von da an nennen.“, so der Prophet Jesaja nach der Zerstörung Jerusalems. Ist es vermessen, ja gotteslästerlich, heute zu sagen: „Wenn ich dich, Beirut, sehe, raubt es mir die Ruhe, ich kann nicht schweigen. Ich muss so lange zu Gott rufen, bis er dir hilft, bis neues Glück für dich aufstrahlt wie die Morgensonne oder wie Fackelschein in der Nacht. Alle Völker werden erfahren, wie der Herr für dich alles zum Guten wendet.“?Dorothee Sölle sagte im April 2003 in einem Interview: "Ich erinnere mich an die Friedensbewegung in den 80er Jahren, da gab es Stimmen, die meinten, wir können ja sowieso nichts tun, Gott wird es schon richten. Und ich habe diese Selbstaufgabe immer als eine Lästerung Gottes empfunden. Wenn das Gebet ernst ist, dann führt es auch zum Handeln. Wenn es Geschwätz ist, dann ist es eben Geschwätz." Und in ihrem Buch „Im Hause des Menschenfressers – Texte zum Frieden“, schrieb sie bereits im Jahre 1981: "Frei werden wir erst, wenn wir uns mit dem Leben verbünden, gegen die Todesproduktion und die permanente Tötungsvorbereitung. Frei werden wir weder durch den Rückzug ins Private, ins "Ohne mich", noch durch Anpassung an die Gesellschaft, in der Generäle und Millionäre besonders hoch geachtet werden. Frei werden wir, wenn wir aktiv, bewusst und militant ( = kriegerisch, vom lateinischen „miles“ = der Soldat) für den Frieden arbeiten lernen." (Dorothee Sölle in ihrem Buch „Im Hause des Menschenfressers – Texte zum Frieden“, Hamburg 1981) Was steckt hinter dem neuen Libanonkrieg? Was sind die wirklichen Kriegsgründe? Was die finalen Kriegsziele? Die bisherigen offiziellen Erklärungen taugen nicht viel. Eine bessere Erklärung betrachtet diesen Krieg im größeren Kontext: - Der Libanonkrieg ist ein Vorab-Präventivkrieg zum bevorstehenden direkten Präventivkrieg gegen den Iran: Mithilfe des Libanonkriegs wollen die USA & Israel ihre Ausgangsposition im Krieg gegen den Iran optimieren. - Die geplante UN-Stationierung von Truppen (inklusive von Truppen aus NATO-Staaten) im Libanon ist eine wesentliche Komponente dieser Strategie. (Georg Meggle, Professor für Philosophische Anthropologie und Kognitionswissenschaften an der Universität in Leipzig, am 08.08.2006, http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21802/1.html ) Wir stehen in der Verantwortung, wie die Wächter, von denen Jesaja sprach: „Ihr dürft Gott keine Ruhe lassen, bis er Jerusalem wiederhergestellt und so herrlich gemacht hat, dass alle Welt es rühmt.“ – Der „Rückzug ins Private“ ist uns verwehrt, wir müssen uns positionieren, uns einsetzen für einen echten Frieden in Nahost. Nicht mehr die Resignation soll uns Menschen bestimmen, sondern das Vertrauen, dass Gott hilft, die Wende herbeiführen wird – Saget der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt! „ Heil“ ist in der biblisch-hebräischen Sprache ein umfassender Begriff, er hat mit „Rettung“ zu tun, mit „Heilwerden und Heilsein“, mit „Ganzwerden und Ganzsein“. Wie aber können wir dazu beitragen, dass „Heilung“ geschieht in Nahen Osten? Indem wir unsere Regierung ermuntern, sich am „Krieg gegen den Terror“ aktiv militärisch zu beteiligen? Ist ein wirklicher Frieden und ein Heilen der tiefen Wunden im nahen Osten denkbar durch militärisches Engagement möglichst vieler Staaten der Weltgemeinschaft? Stellen Sie sich vor, in ihrer Nachbarschaft streiten sich die Kinder um das Erbe ihrer Eltern. Jede Partei beansprucht das geerbte Haus und Grundstück ganz für sich alleine. Zuerst kommt es zu verbalen Ausfällen und Beleidigungen, zu Vorwürfen und Anklagen, dann zu Drohgebärden und irgendwann auch zu gewaltsamen Übergriffen. Und eine Einigung ist nicht in Sicht. Vielleicht mischen sich ja noch ihre eigenen Interessen in diesen Nachbarschaftskonflikt. Lange schon hätten sie gerne Wasser aus dem Brunnen des Nachbarn geschöpft, um ihr eigenes Grundstück zu bewässern. Und gegen ein Wegerecht, um schneller mit ihrem Fahrzeug von ihrem Grundstück auf die öffentliche Straße zu gelangen, wäre auch nicht schlecht. Wie also werden sie sich verhalten? Werden sie versuchen, sich aus dem Konflikt möglichst heraus zu halten? Werden sie mitmischen und dabei auch ihre eigenen Interessen vertreten? Und wie halten sie es mit dem Konflikt Nahen Osten und dem von den USA erklärten „Krieg gegen den Terror“? Lothar Hinderer, ehg@ekhg.de Hast du eine Idee zu einem neuen aktuellen Thema? Mail uns!
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