Postfaktisch

Das Wort des Jahres 2016 wird Tag für Tag lebendiger. Wir befinden uns in einer „postfaktischen Zeit“. Das heißt, wir sind verwirrt zwischen der „Wahrheit der Tatsachen“ – und der „Wahrheit von Gefühlen und Befindlichkeiten“.

Wir erleben, wie selbst die besten Erfindungen pervertiert werden. Aus Face-Book wurde Fake-Book. Ein kleiner Buchstabe geändert, aus C mach K. Kleine Änderung, große Wirkung: Einer Politikerin wurden Worte in den Mund gelegt, die irgendwie echt klangen, aber doch falsch waren. Ähnliches geschah Papst Franziskus ... Die Fälschungen sind so raffiniert gemacht, dass sich tatsächlich viele über den Eintrag in Face-Book empörten oder verwunderten. Irgendwie teuflisch, diabolisch in des Wortes (Diabolein= heißt durcheinander bringen) wahrstem Sinn. Es wird immer schwieriger die Wahrheit zu erkennen und diese davon zu unterscheiden, wo wir manipuliert werden, die Achtung des Gesichtes des anderen, die Würde der Person verlieren an Wert.

Hier kann uns ein alter Rat des griechischen Philosophen Sokrates, der rund 400 Jahre vor Christus gelebt hat, in unserer Kommunikation weiterhelfen:

Eines Tages kam einer zu Sokrates und war voller Aufregung:
„Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen.“
„Moment mal“, unterbrach ihn der Weise, „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“
„Drei Siebe?“ fragte der Andere voller Verwunderung.
„Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“
„Nein, ich hörte es irgendwo ...“
„Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft; es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist – so doch wenigstens gut?“
Zögernd sagte der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil ...“
Sokrates unterbrach: „So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?“
„Notwendig nun gerade nicht ...“
„Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“

Pfarrer Dietmar Hermann


Die reduzierte Krippe kann uns verschiedenes sagen:

Ob König oder Hirte, ob Mann oder Frau, ob Fremder oder Einheimischer –
wir alle sind aus dem gleichen Holz geschnitzt.
Und selbst Gott wird an Weihnachten Mensch und wohnt mitten unter uns.

Weniger ist mehr – weniger Inszenierung und mehr Mensch-Sein
mit anderen, für andere und durch andere.

Eine gesegnete Weihnachtszeit und ein erfülltes Jahr 2017 wünschen


Und
wenn
dir das Herz
wird allzu schwer,
dich niederdrückt die Last,
dich unnachgiebig am Boden hält,
das Weitergehen unmöglich macht,
dann schau auf meinen Baum
und werde so wie er!


Tief verwurzelt
in der Erde
mit Ästen
in die Weite und
himmelwärts gestreckt
bleibt er stets hier
an diesem Ort.


Im Herbst dann
sterben in Farbenpracht
die unzählig windmunteren Blätter
und künden dir mit Leuchtkraft,
dass Wintertod nur Ruhe ist,
neues Wachsen kommt.


Und
in seinen Ästen
werden gerne ruhen,
die fliegen können.


© Heinz Reick


Seht da ist der Mensch

Jeder Katholikentag steht unter einem biblischen Wort, dem Leitwort. Es wird von der Katholikentagsleitung beschlossen. An diesem Leitwort orientieren sich die Veranstaltungen des Katholikentags. Der 100. Deutsche Katholikentag in Leipzig 2016 steht unter dem Leitwort „Seht, da ist der Mensch“ aus der Bibelstelle Johannes 19,5.

Gemeinsam neu sehen lernen

„Seht, da ist der Mensch“ ist ein einladendes Leitwort. Es fordert uns auf: Kommt und seht! Ganz und gar offen wendet es sich an uns. Ein jeder ist willkommen: Der Neugierige, die Suchende, die Zweifler, der Ängstliche. Auf dem Katholikentag in Leipzig wollen wir gemeinsam neu sehen lernen.

Der Mensch im Mittelpunkt

„Seht, da ist der Mensch“ ist aber auch ein richtungsweisendes Leitwort. Deutlich zeigt es uns, wohin wir schauen sollen: auf den Menschen. Der Mensch muss stets im Mittelpunkt stehen, wenn wir nach Antworten auf die zahlreichen Herausforderungen unserer Gegenwart suchen. Der Mensch, sein Wert und seine Würde müssen der Maßstab unseres Handels und Gestaltens sein. Genau dies möchte das Leitwort uns sagen. Und genau hierüber wollen wir auf dem Leipziger Katholikentag reden und diskutieren.

Was ist der Mensch? Worin besteht seine Würde? – Die Antworten auf diese Fragen beeinflussen, wie wir Fragen der modernen Biologie und Medizin, der Wirtschafts- und Finanzwelt, der Sozialordnung, der Globalisierung, des Friedens und der Entwicklung, des Klimaschutzes und der Umwelt beantworten wollen.

Die Schwachen im Blick haben

„Seht, da ist der Mensch“ ist ein Leitwort, das Position bezieht. Es lenkt den Blick auf die Leidenden, Benachteiligten, Verfolgten, auf die Schwachen in unserer Welt. Die Bibel überliefert, dass es ein Richter war, der voll Spott diese Worte an sein Publikum richtete. Dabei zeigte er auf einen Angeklagten, den er auf grausamste Weise hat demütigen und foltern lassen, den er zutiefst in seiner Würde verletzen wollte.

Wenn Pontius Pilatus auf den gefolterten und verspotteten Jesus zeigte und sprach: „Seht, da ist der Mensch“, dann zeigte er damit auch auf all jene Menschen, die hängen gelassen wurden, draußen vor den Toren der Stadt, ausgegrenzt, am Ende. Und er zeigte auf den Gott, an den wir Christen glauben, einen Gott, der mit den Menschen leidet.

Gemeinsam für eine gerechtere Welt eintreten

Das Leitwort beschreibt so nicht zuletzt einen Auftrag. Beim Katholikentag in Leipzig wollen wir gemeinsam mit allen, die den Menschen in den Mittelpunkt ihres Handels stellen wollen, die Zukunftsthemen der Solidarität und des Miteinanders von Menschen aufgreifen. Unsere Herausforderung heute heißt: Wie kommen wir zu einer nachhaltigen Lebenskultur, die den Menschen auf dieser Welt gerecht wird und die auch kommende Generationen im Blick hat?

Mit seinem Leitwort „Seht, da ist der Mensch“ lädt der Katholikentag alle ein, auf den Menschen zu sehen mit seinem Glück, seiner Sehnsucht, seinem Leid und seinen Sorgen und sich von diesem Menschen herausfordern zu lassen



Gott und Gold – Wie viel ist genug?

Seit Beginn der Fastenzeit hängen in vielen katholischen Kirchen wieder eine Hunger-/Fasten-Tuch. Diese Tücher sollen die Menschen auf das Osterfest vorbereiten.

Dieses Jahr wurde es von dem chinesische Künstler Dao Zi gestaltet. Angeregt zu seinem Bild haben ihn die Verse Mt 6,9–24 („… wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz"). Als Meditationstext kann folgende überlieferte Sage von Midas dienen.

 

Die Sage von König Midas und dem Gold

König Midas hat einst einen trunkenen Begleiter des jugendlichen Gottes Dionysos vor dem Gespött der phrygischen Bauern bewahrt. „Ich gewähre dir einen Wunsch!" sprach Dionysos, der als Gott der Reben auch Bacchus heißt, „denn ich will dir meinen Dank erweisen."

König Midas überlegte nicht lange. „Erhabener Gott", erwiderte er, „wenn ich wählen darf, so lass alles, was ich berühre, zu Gold werden." Nur ungern erfüllte Dionysos den Wunsch des habgierigen Königs. Midas aber eilte freudig davon und versuchte das Göttergeschenk, indem er einige Dinge berührte. Der Zweig, den er vom Baume brach, verwandelte sich in schimmerndes Gold; der Stein, den er aufhob, wurde zum Goldklumpen, die Ähren wie das Obst, das er pflückte, erglänzten golden in seinen Händen. Der Türpfosten, selbst das Wasser, das seine Hände berührten, verwandelten sich in Gold! Überglücklich setzte sich der König zum Mahle, griff nach Brot und Braten – und – hielt funkelndes Gold in der Hand. Erschrocken führte er den Becher zum Munde: des Bacchus herrlicher Rebensaft hatte sich zu Gold verhärtet.

Da erst erkannte der König, wohin ihn seine Verblendung geführt hatte. Nicht Hunger noch Durst konnte er stillen, und der Tod war ihm gewiss. Flehend hob er die Hände und bat Dionysos, das todbringende Geschenk zurückzunehmen. Mitleidig blickte der Gott auf den reuigen Toren, der sich von seiner Gier nach Reichtum hatte verleiten lassen. „Geh an den Fluss Paktolos hinauf bis zu der Stelle, wo er aus dem Felsen springt. Dort an der Quelle tauche dein Haupt in die kühle Flut und spüle mit dem Golde zugleich deine Schuld ab!" Dankbar folgte Midas der Weisung und befreite sich von der verhängnisvollen Zauberkraft. Doch diese ging auf das Wasser des Flusses über, so dass er seither Gold mit sich führt. Für alle Zeiten schien König Midas von seiner Habgier geheilt. Er mied den Königspalast und hielt sich gern in der Einsamkeit des Berges Tmolos auf, wo er in den Felsgrotten des Hirtengottes Pan zu Gast war.

Im Herzen aber blieb Midas trotz der deutlichen Lehre töricht wie zuvor.

Frei nach Ovid (Metamorphosen, Buch 11)



Millionen von Menschen sind weltweit auf der Flucht vor dem IS Terror, der spätestens jetzt auch die westliche Welt erreicht hat.
Und sogleich stehen die Opfer dieses Terrors, dieser Zerstörungswut, zumeist Muslime, unter Generalverdacht.

Das neueste angedrohte "Projekt" des IS ist die Sprengung der Kaaba in Mekka...

Die Welt sehnt sich nach FRIEDEN.

Und mitten hinein in diese friedlose Zeit wird uns an Heilig Abend verheißen:

"Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn:
Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens."

Jesaja 9, Vers 5 (Die Bibel, Einheitsübersetzung)

 

Wir wünschen allen Menschen ein friedliches Neues Jahr!




Ziemlich abwegig

 

Da es dem König aber wenig gefiel,
dass sein Sohn,
die kontrollierten Straßen verlassend,
sich querfeldein herumtrieb,
um sich selbst ein Urteil über die Welt zu bilden,
schenkte er ihm Wagen und Pferd.


"Nun brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen“,
waren seine Worte.

"Nun darfst du es nicht mehr“,
war deren Sinn.

"Nun kannst du es nicht mehr“,
deren Wirkung.


(Günther Anders)


Katastrophen soweit das Auge reicht

Der "Wonnemonat" Mai startet international katastrophal im wahrsten Wortsinn: im Mittelmeer sterben tausende Menschen auf ihrer Flucht aus Elend, der IS wütet, nicht nur in Syrien starben bereits Hunderttausende. Nepal durchlebt eine historische Naturkatastrophe und die Regierung ist heillos zerstritten und unfähig... Ein guter Teil dieser Katastrophen ist von Menschen gemacht, andere ignorieren Warnungen von Wissenschaftlern wie im Fall der Erdbebenwarnungen in Nepal. Politiker sind nur am eigenen Machterhalt interessiert und hindern professionelle Helfer daran, dass lebensnotwendige Hilfe rasch dort ankommt, wo sie dringend benötigt wird. Eine dieser Hilfsorganisationen ist die Katastrophenhilfe des Diakonischen Werkes, auf die ich heute exemplarisch hinweisen möchte. Nähere Infos und die Möglichkeit einer Onlinespende gibt es hier: Diakonie Katastrophenhilfe

Autor: Lothar Hinderer ()

 

 



Angedacht: Gefallene gelbe Engel

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Und täglich gibt es neue Enthüllungen um den ADAC: gefälschte Stimm-Abgaben, Rettungshubschrauber für Reisen, ein Fußball-Rasen wurde durch den Helikopter getrocknet. Etwa auch die Test-Ergebnisse gefälscht? Ja, der ADAC erscheint derzeit als ein großer gelber gefallener Engel. Auch die Finanzgebahren werden überprüft. Ist das wirklich noch ein Verein? Oder doch eher ein Wirtschaft-Konzern? Sicherlich muss allen diesen Vorwürfen nachgegangen werden - keine Frage -, aber warum kommen alle diese Ungereimtheiten auf ein Mal zur Sprache? Ist das alles wirklich erst jetzt bekannt geworden - oder darf jetzt eben jeder drauf schlagen auf denjenigen, der am Boden liegt. Auch bei unseren ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff gab es täglich neue Enthüllungen - angeblich. Jetzt am Schluss geht er selbst von einem zu erwartenden Freispruch aus. Wie gesagt: beim ADAC scheint manches nicht korrekt abgelaufen zu sein, und das gilt es nun auch aufzuarbeiten. Mir stellt sich allerdings die Frage - über das Beispiel ADAC hinaus -, warum wir so schnell im Chor auf andere zeigen. Plötzlich scheinen alle immer schon gewusst zu haben, dass da etwas nicht stimmt, nicht in Ordnung ist. Bei Wulff damals und beim ADAC heute. Was macht uns Menschen denn so schnell zum "Mit-Beschimpfer"? Mit-Beschimpfen verbindet. Das wissen wir nicht erst, seitdem es Shit-Storms im Internet gibt. Alle gegen einen - da fühlen sich dann bis auf den einen auch alle stark. In meinem Schulalltag erlebe ich das leider häufig genug. Oder ein anderer Erklärungsversuch: Die Fehler beim anderen zu sehen und anzuklagen, lenkt von den eigenen Unzulänglichkeiten ab - und oft sehen wir bei den anderen gerade die eigenen Fehler sehr gut. Wie so oft lehrt uns Jesus etwas anderes: In Joh 8,1-11 stimmt Jesus nicht mit ein in die Anklage gegen die Ehebrecherin. Er lässt sich auch nicht mitreißen von der Selbstjustiz, sondern kontert schließlich: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein. Beim ADAC muss sicherlich so mancher Stein umgedreht werden - gar keine Frage. Aber vielleicht können wir in unserem direkten Umfeld Jesu Haltung umsetzen: nicht immer gleich in den Chor der Ankläger einzustimmen. Denn als Mit-Beschimpfer zeigen wir uns selbst eher als gefallene Engel.

Autor:
Bernhard Wuchenauer

<Oktober 2017>
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Ansprechpartner

Bernhard Wuchenauer

Katholischer Hochschulseelsorger,
Pastoralreferent

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Die Stelle des evangelischen Hochschulpfarrers ist derzeit nicht besetzt.